Ein umstrittener Tierversuch gehört seit Beginn des Jahres der Vergangenheit an: Die Europäische Arzneibuchkommission hat den Pyrogentest an Kaninchen aus ihren Vorschriften gestrichen. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt die Entscheidung. Labore in der gesamten EU dürfen diesen Test nun nicht mehr durchführen, um Arzneimittel zu testen. Tierversuchsfreie Methoden sind bereits seit Langem verfügbar.
„Der Pyrogentest war in den letzten Jahrzehnten für tausende Kaninchen in Deutschland eine qualvolle Tortur. In engen Kästen fixiert, mussten die Tiere stundenlang bewegungslos ausharren, während ihnen Prüfsubstanzen gespritzt wurden. Sie konnten weder fressen, trinken noch mit Artgenossen interagieren. Für die Tiere sowohl körperlich als auch psychisch eine extreme Belastung“, sagt Tilo Weber, Fachreferent für tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund.
Stundenlanges Leiden für die Tiere
Für den Pyrogentest wurde bei Kaninchen mit einem anal eingeführten Thermometer gemessen, wie stark sich ihre Körpertemperatur veränderte, nachdem man ihnen eine Prüfsubstanz in die Ohrvene injizierte. Die sensiblen Fluchttiere mussten dabei mehrere Stunden fixiert in völliger Bewegungsunfähigkeit ausharren. Manche Tiere entwickelten nach wiederholten Tests schmerzhafte Venenverdickungen, während andere unter Fieber, Atembeschwerden oder Kreislaufversagen litten.
Tierversuchsfreie Methoden seit Jahren verfügbar
Dass der Kaninchen-Pyrogentest erst seit Beginn des Jahres 2026 verboten ist, ist aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes unverständlich – denn tierversuchsfreie Methoden sind schon seit Langem verfügbar: Der Monozyten-Aktivierungstest, der menschliche Blutzellen im Reagenzglas nutzt und dafür nur einen Milliliter Blut benötigt, wurde 2010 bereits als alternative Prüfmethode anerkannt. Sie ist nicht nur ethisch vertretbar, sondern auch wissenschaftlich zuverlässig: Die Ergebnisse sind präziser und lassen sich besser auf den Menschen übertragen. Zudem ist die Methode kostengünstiger und zeitsparend. „Es ist unverständlich, warum dieser tierversuchsfreie Test jahrelang nicht flächendeckend eingesetzt wurde, obwohl er seit 15 Jahren verfügbar ist“, so Weber. „Die systematische Verzögerung bei der Implementierung tierversuchsfreier Methoden zeigt, wie träge das System in der Wissenschaft und der Pharmabranche reagiert.“Der Deutsche Tierschutzbund fordert, dass Hürden für tierversuchsfreie Methoden konsequent abgebaut werden und deutlich mehr Forschungsgelder für deren Entwicklung bereitgestellt werden.
Hinweis an die Redaktionen: Weitere Informationen zur tierversuchsfreien Forschung und den aktuellen Entwicklungen im Bereich Tierschutz finden Sie unter: www.tierschutzbund.de/tiere-themen/tierversuche.